Trolleybusse in der Kalanchevskaya Straße
von Lena Krasotina

Gouache auf Karton
66 x 70 cm

 

 

Lena Krasotina lernte ich vor 8 Jahren kennen. Damals lebte sie noch in Nürnberg, wo sie ein Studium an der Akademie der bildenden Künste absolviert hatte. Geboren wurde die Malerin 1974 in Moskau, wo sie vor ihrer Übersiedlung nach Deutschland auch schon Malerei studierte. 2012 hatte ich Lena Krasotina in einer Gruppenausstellung zum Thema Architektur in der Galerie im Fachwerkhaus in der Weißgerbergasse präsentiert. Irgendwie verloren wir uns danach aus den Augen. Lena zog mit ihrer Familie in die Nähe von München, wo ihr Sohn studiert.

Vergangenen Winter kam sie mich dann überraschend in der Galerie am Weinmarkt besuchen und faszinierte mich schon durch ihr Auftreten. Die zierliche junge Dame entsprach perfekt dem Klischee einer emanzipierten Moskauerin. Sie trug einen langen Mantel mit flauschigem Pelzkragen, dazu eine passende Mütze und begrüßte mich sehr herzlich. Die erste Viertelstunde verstand ich allerdings kaum ein Wort. Lena Krasotina spricht zwar sehr gut Deutsch, nur in den Akzent musste ich mich erst wieder hineinfinden. Mittlerweile verstehe ich jede Silbe in der für mich sehr lyrischen Klangfärbung. Die Sprache der Bilder Krasotinas ging mir schon immer ans Herz und ist zusammen mit der Persönlichkeit der Malerin ein Grund, weshalb ich unbedingt nach Russland reisen muss.

Krasotina hat einer speziellen, von ihr verwendeten Farbgebung mit weichen gedeckten Tönen zwischen Gips-, Tauben- und Dämmerungs- Grau zu einzigartig romantischem Charakter verholfen. In Kombination mit nur spärlich eingesetzten farbigen Akzenten wirken ihre trostlosen Straßenzüge, Bahnhöfe, Brücken, Industrieanlagen oder schneebedeckten Stadtansichten stimmungsvoll, pittoresk und auf eine poetische Art wunderschön. Sanftfarbige Eyecatcher markieren Lichtblicke in der malerischen Tristesse. Krasotinas Stärke liegt darin, mit reduziertem Strich und weichen, fast schemenhaft gemalten Umrissen perfekt die Atmosphäre des dargestellten Ortes einzufangen.

Lena Krasotina ist für mich ein vollkommen stimmiges Gesamtkunstwerk. Die Bilder zeigen teils Orte in und um Moskau, oft aber auch Plätze in Deutschland, die in ihrer Darstellung ebenso in Russland liegen könnten. Mich haben die Gemälde den Herbst und Winter lieben gelehrt, zumindest auf der Leinwand. Nirgendwo sonst  finde ich derart gefühlvolle Bildkompositionen dunkler Jahreszeiten, die bei mir ein Gefühl angenehm friedlicher Melancholie hinterlassen.

Slow Art Galerie  · Weinmarkt 12 · 90403 Nürnberg · Öffnungszeiten: Samstag 12.00 – 16.00 UhrImpressum & Datenschutzerklärung