WELTKULTURREISE

Italien
von Anton Atzenhofer

Tusche & Aquarell
20 x 20 cm

 

Bella Italia war für mich der große Sehnsuchtsort meiner Kindheit. Ich bin in den 60er Jahren aufgewachsen und stamme aus einer Familie von Gasthausbesitzern. Meiner Urgroßmutter gehörte ein Haus in der Nürnberger Altstadt, in dem sie eine typisch fränkische Traditionsgaststätte führte. „Zum Augustiner“ hieß das Lokal, das es schon nicht mehr gab, als ich geboren wurde. Im Krieg wurde das hübsche Fachwerkhaus zerbombt, meine Urgroßmutter ließ an der Stelle ein hässliches Nachkriegsgebäude errichten mit vielen praktischen kleinen Einzelwohnungen, in denen vorwiegend Verwandte, darunter auch meine Familie wohnten. Die Gaststätte, mittlerweile von der Tochter meiner Urgroßmutter übernommen lag in einem Kellerlokal ganz in der Nähe und war wieder traditionell fränkisch ausgerichtet. Ich bin also mit sehr viel Braten, Klößen, Sauerkraut, Würsten und sonstigen deftigen Gerichten aufgewachsen. Lange Zeit hatte ich als Kind richtig Angst vor der, bei allen anderen sehr beliebten, Sonntagsküche meiner Urgroßmutter, die im hohen Alter nur noch zuhause für die Familie kochte, dabei aber leider nie gelernt hatte, kleinere Töpfe als im Gasthaus zu verwenden. Was man ständig im Überfluss hat, schätzt man besonders gering und so hatte ich für die riesigen wabbeligen Kartoffelklöße lange Zeit nicht viel übrig und mit Fleisch konnte ich auch nichts anfangen.

Die Rettung kam für mich aus Italien. In den Anfangsjahren der Wirtschaftswunderzeit kamen die ersten italienischen Gastarbeiter nach Deutschland. Das hiesige graue Wetter und die grantigen fränkischen Menschen müssen furchtbar für die quirligen Temperamente aus dem Süden gewesen sein. Aber glücklicherweise brachten die Italiener ihr Essen mit. Man kann den distanzierten, muffligen Franken schon ein gewisses borniertes Beharren auf Traditionen nachsagen, nur beim Essen sind sie dann doch oft recht aufgeschlossen.

Meine sehr junge Mutter saugte das fremde Kulturgut auf wie ein trockener Schwamm. Sophia Loren und Gina Lollobrigida waren ihre Vorbilder unter den Filmstars, aus dem Kassettenrecorder tönten die Caprifischer oder Azurro und mittags standen bei uns mehrmals wöchentlich Spagetti Pomodore oder Carbonara auf dem Tisch, zumal es da nie Protest von mir und meinem Bruder gab. Direkt gegenüber unserem Wohnhaus lag eine der ersten Pizzerias in Nürnberg. Im Restaurante Alpino aß ich meine erste Pizza Spezial, damals noch mit Champignons aus der Dose aber dennoch eine echte Offenbarung für mich.

Mittlerweile liebe ich auch die türkische und die asiatische Küche sehr. Über gut zubereitete fränkische Gerichte kann ich mich auch längst wieder freuen. Dennoch gehörte der italienischen Küche meine erste große Liebe und die vergisst man ja bekanntlich nie.

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